Dienstag, 5. Dezember 2017
Dienstag, 28. November 2017
GroKo? Minderheitsregierung? Egal, die Herrschaften bleiben eh‘ unter sich. Aber ihr "Weiter-so" funktioniert nicht mehr.
Nach
dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen wird jetzt die brave alte SPD so lange weich
gekocht, bis sie freiwillig den Geist aufgibt. Noch vier Jahre Merkels Stallknecht,
und niemand kann sich mehr erinnern, dass diese Partei jemals eine andere
gesellschaftliche Rolle spielte als den Neoliberalismus rosa zu sprenkeln und
den eigenen Funktionären warme Plätzchen zu sichern. War das ihr Wählerauftrag?
War die Sozialdemokratie nicht als historische Gegenkraft gegen
Kapitalherrschaft und Ausbeutung gegründet worden? Waren nach der schallenden
Ohrfeige von den Wählern am 24.09.2017 nicht zwei Jahre "Erneuerung"
angesagt? Alles vergessen außer dem "Weiter-so"?
Ob die
Sozialdemokraten es erkennen oder nicht, sie stehen vor einer Entscheidung von
historischer Tragweite. Seit Gerhard Schröder 2005 wegen der Hartz-Gesetze die Kanzlerschaft vergeigte
und der ersten GroKo unter Angela Merkel Platz machen musste, hat die SPD in drei
Großkoalitionen 18 Prozent ihrer Wählerstimmen verloren und rauschte von 38,5%
auf 20,5% in den Keller. Jetzt noch eine GroKo, und sie kracht in vier Jahren nach
Adam Riese auf ca. 15 Prozent ab. Von da an gibt es in Deutschland nur noch
eine einzige „Volkspartei“, ohne die niemand mehr regieren kann – Merkels
„marktkonforme Demokratie“ in Ewigkeit amen.
Warum
brennen die führenden SPD-Köpfe jetzt trotzdem so heftig auf eine „stabile
Regierung"? Weil der Wirtschaftslobby (zu der auch fast alle Spitzenfunktionäre
der SPD zählen) die Muffe geht: Unübersehbar steht unsere Gesellschaft an einer
Zeitenwende. Auf der Kippe steht der Status quo. Nicht nur Deutschland und
Europa, die ganze „westliche" Welt steckt in einer tiefen Krise. Die
großen Wirtschaftsmächte ringen darum, wer als Gewinner und wer als Verlierer
aus der Krise herauskommt. Es geht also wieder mal um die Stärke des deutschen
Kapitals in der Welt. Hier die wichtigsten Krisenmomente:
-
Vordergründig leiden die führenden Industrieländer am Schrumpfen ihrer wirtschaftlichen
Wachstumsraten.1 Eine kapitalistische Wirtschaft ohne Mengenwachstum
mindestens in Höhe des Produktivitätsfortschritts erzeugt aber immer krassere soziale
Gegensätze, "bad jobs", Arbeitslosigkeit, Armut, mit allen Folgen
eskalierender Konflikte, bis hin zu verödeten Regionen, zerfallenden Staaten,
Aufständen, Sezessionen, Bürgerkriegen; auf längere Sicht läuft sie Gefahr, am
Widerspruch zwischen Produktivitätszuwachs und stagnierenden Märkten zu
ersticken.
- Zum
Krisenproblem wird aber auch die Fortsetzung der Wachstumsdynamik, weil sie
schon lange und zunehmend Raubbau an den natürlichen Ressourcen betreibt und
global unsere Lebensgrundlagen zerstört (Klima, Wasser, Boden, Vegetation, Artenvielfalt).
Da dies Problem erwiesenermaßen mit marktwirtschaftlichen Methoden nicht gelöst
werden kann (siehe die Ohnmacht der Klimakonferenzen gegenüber „den
Märkten"), führt es zu Massenmigrationen in den ruinierten Weltregionen
und aus diesen heraus in die Wohlstandsgesellschaften.
- Nach
1989 haben bewaffnete Konflikte weltweit massiv an Zahl, Umfang der
Zerstörungen und zivilen Opfern zugenommen. Eine wesentliche Ursache, auch für
Bürgerkriege, Warlords und Terrorarmeen, bildet die aggressive Konkurrenz der
kapitalistischen Mächte um Märkte und Einflusszonen. Die Folge sind weiter
anschwellende Flüchtlingsströme aus zerstörten und verelendeten Zonen, gegen
die sich die "zivilisierten" Länder zunehmend abschotten und
ent-demokratisieren (Anti-Terror-Gesetze, Flüchtlingslager, autoritäre Regimes
usw.)
Nicht
zuletzt wächst damit die Gefahr direkter militärischer Konfrontation der
Großmächte.
- Die
EU gilt noch vielen als Garant des Friedens zwischen den früheren europäischen
Kriegsgegnern. Doch seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008, die in vielen
Ländern bis heute nicht überwunden ist, zerfällt die EU, und hinter der
Friedensfassade trumpft der alte deutsche Vormachtanspruch wieder auf. In
vielen Ländern, aber auch bei uns werden nationalistische und faschistische
Bewegungen offen oder heimlich unterstützt, um mit Hetze gegen Flüchtlinge,
Einwanderer, Muslime, die „faulen Griechen" usw. den Volkszorn auf äußere
Feindbilder abzulenken.
-
Nicht dramatische Schreckensszenarien einer angeblich drohenden
„Explosion" der Weltbevölkerung, sondern die abgrundtiefe Kluft zwischen
reichen und armen Weltregionen wird noch weit stärkeren Wanderungsdruck auf die
reichen Staaten erzeugen, als wir uns das heute vorstellen können, und hier zu
mehr und mehr gewaltsamer Abwehr führen.
Wer
hat uns in diese Abwärtsspirale hineingetrieben? Unfähige Regierungen, korrupte
Meinungsmacher, dumme "Eliten", raffgierige Spekulanten, kurzsichtige
Unternehmer, egoistische Verbraucher, unmündige Wähler? Ja und nein. Sie alle
haben ihre bestimmte Stellung im Gesellschaftssystem, nach dem das
Zusammenleben einige Jahrhunderte lang funktionierte. Sowohl die Produktion des
materiellen Reichtums als auch die zugehörige, von den Marktbeziehungen der
Privateigentümer geprägte Lebensweise treibt uns in die Krisenspirale hinein.
Und die Gier der Superreichen ist die schlimmste Krisenursache.
Das
alles wissen die alten Hasen der „politischen Klasse“ so gut wie wir. Und sie
wissen auch: Egal ob man die heutige Entwicklungsstufe der Menschheit
"Kapitalismus", "Moderne", "das bürgerliche
Zeitalter" oder sonstwie nennt, kennzeichnet sie eine Gesellschaft, in der
eine Minderheit über die wichtigen Produktionsmittel als ihr Privateigentum
verfügt, so dass die Mehrheit, die im wesentlichen nur ihre Arbeitskraft
besitzt, diese an die Kapitaleigentümer verkaufen muss, um leben zu können. Aus
diesem Klassengegensatz auf der Produktionsebene ergibt sich ihr
unterschiedlicher Einfluss im gemeinsamen politisch-juristisch-ideologischen
Überbau, den sie, die „Elite“, das Bürgertum aufgrund der Eigentumsordnung
dominiert. Das ist der Status quo, den sie verteidigen. Dazu brauchen sie ihre
„stabile Regierung“, egal wie.
Und wenn die SPD nicht
umfällt?
Wie
sich aus dem bisher Gesagten mit zwingender Logik ergibt, müsste eine Mehrheit
der Bevölkerung, bestehend aus der Arbeiterklasse und Teilen des kleinen und
mittleren Bürgertums, objektiv ein unmittelbares, starkes Eigeninteresse an
einem Systemwechsel haben. Doch dem objektiven Interesse entspricht kein
subjektives Wollen. Ganze Bibliotheken sind voll von Untersuchungen, mit
welchen Methoden die herrschende Klasse es noch schafft, die Mehrheit an der
Suche nach einer Alternative zu hindern. (Die platte Argumentation, ein anderes
System sei abzulehnen, weil die Mehrheit kein anderes wünscht, ist daher so
inhaltsleer wie die Aussage: "Die Mehrheit hat recht, weil sie die
Mehrheit ist und Mehrheiten immer recht haben.")
Bekanntlich
lässt sich aber die Zukunft kaum nach den Gesetzen der Logik vorhersehen und
schon gar nicht nach diesen allein. Wir sagen, für etwas Neues muss die Zeit
reif sein. Oder mit Karl Marx' Worten: "Eine
Gesellschaftsordnung geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt
sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktivkräfte treten nie an
die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoße der
alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind." (K.Marx, Zur
Kritik der Politischen Ökonomie, MEW Band 13, Berlin 1972, S.9)
Diese allgemeine Einsicht gilt selbstverständlich auch
für die Strategie politischer Parteien, die eine neue Gesellschaftsordnung
anstreben. Sie
haben zu beachten, dass der Kapitalismus besonders auf vier Gebieten die
Produktivkräfte noch erheblich weiter entwickeln und zugleich die materiellen
Bedingungen für eine neue Gesellschaft "ausbrüten" kann:
- Die
weltweite Ausdehnung der kapitalistischen Wirtschaft
("Globalisierung") kann noch riesige Arbeitskraftreserven
mobilisieren und Märkte erschließen. - Diese Tendenz steht allerdings im
labilen, sich täglich verschärfenden Gegensatz zu den eingangs skizzierten
Krisenmomenten.
- Die
Wissensproduktion mithilfe neuer Informationstechnik (Computerisierung) hebt
die Fähigkeiten der menschlichen Arbeitskraft auf bisher unbekannte Höhen
verwissenschaftlichter Produktion - und qualifiziert damit die Arbeiterklasse
weiter zur Übernahme der Produktion und Verteilung in eigene Regie.
- Die
digitale Vernetzung der Produktions- und Marktbeziehungen über die Grenzen der
Einzelkapitale hinaus erzeugt Rationalisierungsschübe von noch nicht absehbaren
Ausmaßen - und stößt zugleich an die Grenze der gegenwärtigen
Eigentumsverhältnisse.
- Die
Gentechnologie kann im Zusammenwirken mit einer echten, dezentralen
Energiewende sowohl die Nahrungsmittelproduktion als auch den
Ressourcenverbrauch so revolutionieren, dass der Kollaps des Ökosystems vermieden
werden kann.
Ob
bzw. wie weit „die Märkte" - die chaotischen Konjunkturen privater
Investitionsentscheidungen! - zu so großen Sprüngen fähig sind, liegt noch im
Dunkeln. Dennoch erzeugen oder verstärken diese gigantischen wirtschaftlichen
Potentiale bei vielen Menschen Hoffnungen auf eine Verbesserung ihrer
Lebenslage und die Überwindung der Krisen innerhalb der bestehenden Ordnung;
und vielleicht noch mehr Menschen sehen darin den Spatz in der Hand, den sie
einer unbekannten Taube auf dem Dach vorziehen. Diese Menschen bilden die
eigentliche Massenbasis der Sozialdemokratie. Ihnen würde die SPD mit einer
neuen GroKo in den Rücken fallen – oder aber mit einer linken Reformalternative
ein neues politisches Ziel geben.
Dass
eine Mehrheit trotz der unübersehbaren Endzeitsymptome der Gegenwart noch davor
zurückschreckt, sich eine Zukunft über den Kapitalismus hinaus ernsthaft vorzustellen,
ist also keineswegs nur der herrschenden Propaganda geschuldet, sondern
Ergebnis einer durchaus nüchternen materiellen Abwägung: Wie immer in der
Geschichte lässt sich die Mehrheit erst auf Neues ein, je mehr sie sich durch
Tatsachen überzeugen kann, dass das Neue dem Altgewohnten überlegen ist. Die
Folge ist, dass Altes und Neues meist lange nebeneinander bestehen, bis das
Neue sich durchsetzt.
Es würde sich aber niemals durchsetzen, wenn es
keine tatkräftige und zielklare Minderheit gibt, die mit seiner praktischen
Verwirklichung anfängt. Dazu braucht es sowohl die LINKE als auch eine selbstbewußte,
ihrer historischen Bedeutung bewußte SPD. Gemeinsam wären wir auch in der
Opposition eine starke Gegenmacht, die zeigen kann, wie soziale Gerechtigkeit,
Ökologie und Friedenspolitik auch gegen die Blockade einer kurzsichtigen
Oberschicht praktisch zu verwirklichen sind.
1 Jährliche BIP-Zunahme von
2008 bis 2016 in der OECD durchschnittlich +1,1 % - in der BRD +0,95 % - in den
90‘er Jahren lag sie noch bei +2,6 % (OECD) bzw. +2,3 % (BRD). Dieser
rückläufige Trend geht einher mit einem Zurückbleiben der Industrieproduktion
hinter dem „Volkseinkommen" (Summe der Arbeitsentgelte
plus Unternehmens- und Vermögenseinkommen).
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Freitag, 10. November 2017
Ein „Godesberg“ für die LINKE? „Alternative innerhalb des Systems“ sei „alternativlos“, meint Heiner Flassbeck.
Heiner Flassbeck ist ein Ökonom, dessen Beiträge zur „Regimekritik“
des Neoliberalismus Spitze sind. Über seine Ratschläge zur Strategie der Linken
kann ich nur den Kopf schütteln, sie zeugen von erstaunlich ahistorischer
Kurzsichtigkeit. In einer Wortmeldung zu den Ergebnissen der Bundestagswahl polemisierte
er jetzt gegen jene Linken, die sogar in Wahlprogrammen immer noch auf eine
Zukunft jenseits des Kapitalismus setzen.
Den Kern seiner Einwände gegen sozialistische Zukunftsträume
bringt schon seine Überschrift auf den Punkt: "Gibt es nur eine
Alternative im Nirgendwo?" Ins Nirgendwo führe nämlich die linke
"Flüchtlingsdebatte", und zwar vor allem, weil in linken Kreisen
"der Kapitalismus" als solcher am Pranger stehe. Das hält Flassbeck
für abwegig, weil heute niemand sagt (und sagen kann), wie eine
nicht-kapitalistische Zukunft besser funktionieren soll als das gegenwärtige
System.
Na und? frage ich, was unterscheidet darin die Endzeit der
bürgerlich-kapitalistischen Ära von allen vorhergegangenen Epochen? War es
nicht immer so, dass die Herrschenden ihre Herrschaft schon deshalb für ewig hielten,
weil sie sich partout nicht vorstellen können, wie eine subalterne Klasse
dahergelaufener Nobodys, die bis dato keinerlei politische Rolle spielte, arme
Teufel, ungebildet, schlecht organisiert, mit der Macht unvertraut und ohne
Plan, ein ganz neues Herrschaftssystem aus dem Boden stampfen könnte? Und haben
die Nobodys nicht doch immer ihren ganz neuen Weg in unbekanntem Gelände suchen
müssen - und gefunden?! Hatte das junge Bürgertum, als es erst in England, dann
in Frankreich Revolution machte und seine bürgerliche Herrschaft erfand, etwa
ein fix-und-fertiges Rezept in der Tasche, eine Roadmap in die Zukunft? Nein,
Flassbeck, man muss nicht Geschichte studiert haben um zu erkennen, dass der
Einwand, wir hätten keinen genauen Plan für's Leben jenseits des Kapitalismus,
ahistorisch kurzsichtig ist. Wer von der Linken so einen Plan erwartet, wird
zeitlebens der realen Entwicklung hinterher traben.
Zu kurz ist aber auch die Messlatte, die Flassbeck an
jegliche Zukunftsvision anlegen will: „Die große Mehrheit will kein anderes
System." „Kritische Linke bestätigen permanent, dass es keine Alternative
außer dem Umbruch, der Revolution gibt, die aber die Menschen in den westlichen
Gesellschaften mit großer Mehrheit ablehnen..."
Wie hat man sich dann also die Geburt einer neuen Zeit vorzustellen?
Durch Ankreuzen auf dem Wahlzettel? Darf die Menschheitsgeschichte unter keinen
Umständen fortschreiten, ehe nicht die Mehrheit zugestimmt und idealerweise das
alte bürgerliche Parlament ihr Votum beglaubigt hat? In der wirklichen
Geschichte können wohl große Menschenmassen (Mehrheiten??) überlebte Strukturen
umstürzen, wenn diese nicht mehr ihren Bedürfnissen entsprechen. Aber dem Neuen,
das regelmäßig von Minderheiten aus der Taufe gehoben wird, stimmt die Mehrheit
erst nach und nach zu, je mehr sie sich praktisch überzeugen kann, dass es dem
Altgewohnten überlegen ist. Die Folge ist, dass Altes und Neues meist lange
nebeneinander bestehen, bis das Neue sich endgültig durchsetzt. Wer sich
historische Schübe wie die Auflösung der bürgerlich-kapitalistischen Verhältnisse
so idyllisch – vielmehr bürokratisch! – vorstellt, dass man sie an einem
Wahlsonntag erledigen kann, liegt mindestens ebenso falsch wie jene Revoluzzer,
die vom großen Kladderadatsch träumen.
An dieser Stelle geht es ans Eingemachte: Hier müsste nämlich
auch ein Makroökonom sich fragen, was eigentlich (außer dem Wahlprogramm der
Linkspartei, haha) geschichtliche Entwicklungen voran treibt. Hat der angeblich
alternativlose Kapitalismus überhaupt eine Zukunft? Vielmehr wir, die
Menschheit, in ihm? Ich meine damit hier jetzt nicht das Katastrophenszenario,
das uns täglich mehr Menetekel an die Wand schreibt. Sondern die ernste Frage, wie
weit das trägt, was Flassbeck als "Alternative innerhalb des Systems"
empfiehlt: "höhere Löhne, Umverteilung von Reich zu Arm, bessere soziale
Absicherung der Arbeitslosen und vom Staat Abhängigen" und alles wird gut?
Hier stößt der seriöse Wirtschaftsfachmann an die Grenzen
seiner wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht. Anstelle solcher wohlfeilen
Patentrezepte hätte er zu fragen, welche systemischen Ursachen die doch
unübersehbaren Krisenerscheinungen haben, die "den Kapitalismus"
seinem Kollaps zutreiben. – Falsch, sagt Flassbeck, "den
Kapitalismus" gibt es ja gar nicht. - Aber dessen Krise(n) gibt es, und
sollte die Analyse ergeben, dass sie systemische Ursachen haben, etwa in den
zunehmenden Widersprüchen einer Produktionsweise, die vom Privateigentum an den
Produktionsmitteln und somit von Marktbeziehungen geprägt ist, mit der
fortschreitenden Vergesellschaftung der Arbeit, dann müsste auch der Ökonom
sich um die Zukunft Sorgen machen.
Flassbeck hinterfragt das aber nicht. Wenn die Leute keine
andere Alternative wollen, meint er, hätten sie "damit vollkommen Recht.
Denn es gibt kein anderes System, das man heute jenseits von Träumereien und
Spinnereien als ernstzunehmende Alternative an den Mann und an die Frau bringen
könnte." Basta! Also müssten wir uns mit dem abfinden, was wir den
Privateigentümern vom gesellschaftlichen Reichtum vielleicht abringen können.
Und weil er das für die historische Perspektive hält, setzt
er all seine und unsere Hoffnung auf "den Staat". – Wer aber ist
"der Staat"? Flassbeck äußert sich dazu nicht weiter. Da erscheint der
Staat als ein neutraler Dritter zwischen Reich und Arm, neben Kapital und
Arbeit, sogar als demokratische Herrschaft über das Kapital. Kann das sein?
Unbestreitbar wird Wirtschaft schon seit Jahrtausenden
staatlich organisiert. Genauer gesagt: mithilfe der Staatsmacht. Denn Staat ist
Macht. Und zwar eine andere Art Macht als die wirtschaftliche. Wer sind die
Träger der Staatsmacht? Individuen? Beamte? Gewählte “Volksvertreter“? “Die
Wähler“? Nun, alle politische Macht basiert auf den verschiedenen Funktionen
der Gesellschaftsklassen in der Produktion des gesellschaftlichen Reichtums. Vor
allen anderen hier zu nennen: Kapital und Arbeit. Das Kapitalverhältnis, als
gesellschaftliches Verhältnis des Privateigentums an den Produktionsmitteln und
seiner Kehrseite, der Lohnarbeit, erzeugt aber ein asymmetrisches
Abhängigkeitsverhältnis der Arbeit vom Kapital. Wer auch nur einen Tag in einem
kapitalistischen Unternehmen beschäftigt war, wird das bestätigen. Dies
Klassenverhältnis macht den Staat zum Machtinstrument der Kapitalistenklasse.
In ihm sind die grundlegenden, systemtypischen Konflikte
nicht von kurzfristigen (Wähler-) Präferenzen erzeugt, nicht einmal an bestimmte
Regierungsformen gebunden (etwa die parlamentarische Demokratie), sondern vom
Niveau und der langfristigen Entwicklung der Produktivkräfte der Gesellschaft abhängig.
Die zukunfts-entscheidende Frage ist also nicht, ob und wieweit “der Staat“ in
demokratischer Willensbildung den Kapitalismus zügeln und humanisieren kann,
sondern: Sind die dramatisch eskalierenden Widersprüche innerhalb der
kapitalistischen Produktionsverhältnisse lösbar oder sprengen sie diese Verhältnisse
in die Luft?
Solche Überlegungen liegen offenbar außerhalb von Flassbecks
Gesichtskreis. Das macht seinen Ratschlag an die Linke zur platten Ideologie.
Leider.
Soviel kann man zur vor uns liegenden Aufgabe schon sagen -
und die LINKE sagt es (bei allen Streitigkeiten um die Strategie und
Unklarheiten über Details des Übergangs):
Die Produktivkräfte haben ein Niveau erreicht, das sich nur
noch mit "common-istischer" Organisation der Produktion und der Verteilung
beherrschen lässt. Die Überwindung der privaten Macht über Produktionsmittel
und -ergebnisse – und damit des Warentauschs – ist daher zur Existenzfrage der
Menschheit geworden. Auf Gedeih und Verderb muss die Menschheit sie neu beantworten.
Auch wenn die Gefahr wächst, dass Mehrheiten dies erst erkennen, wenn das Kind
im Brunnen liegt.
Flassbeck schließt seine Polemik damit, der LINKEN einen
"Godesberg-Moment" zu wünschen, nämlich den Verzicht auf jegliches
Streben nach Systemüberwindung, „um wirklich etwas verändern zu können." –
Frage: Hat die SPD nach ihrem Godesberg "den Kapitalismus“ so verändert,
dass er uns nicht in seine Katastrophe(n) mitreißt? Frommer Wunsch, zu kurz gedacht,
abgelehnt. Schade.
p.s.: Flassbeck bleibt dennoch ein großer, von allen
Kritikern des wirtschafts- und finanzpolitischen Status-quo der
unverzichtbarste.
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Dortmund, Deutschland
Freitag, 3. November 2017
Notizen aus der Provinzhauptstadt: Linke Alternative zum Versagen der Wohnungspolitik in Dortmund
Vortrag für die LINKE-Dortmund Hörde
Wer als Dortmunder Bürger/in mit einem
Durchschnittseinkommen heute eine Wohnung sucht, hat mindestens zwei dicke
Probleme.
Das kleinere von
beiden – aber für viele schon kaum lösbar – ist, dass die neue Wohnung – sofern
er/sie denn eine gefunden hat – im Regelfall deutlich teurer wird als die
bisherige.
In den letzten acht Jahren zogen die „Angebotsmieten“ (so
nennen Experten die Nettokaltmiete bei Neu- oder Wiedervermietung) zum Beispiel
im Dortmunder Stadtbezirk Hörde jährlich um 5,7% an -- sogar stärker als in ganz Dortmund um jährlich 4,1%, und somit siebenmal so stark wie die Verbraucherpreise stiegen
(0,8% p.a.).
Das hat zur Folge, dass die Mietbelastung des
durchschnittlichen Haushaltseinkommens der Dortmunder-innen in etwas mehr als
einem Jahrzehnt von 27% auf 34% zunahm (nur durch die Nettokaltmiete, hinzu
noch die Nebenkosten, die noch schneller explodierten).
Das hat weiter zur Folge, dass inzwischen vier von zehn
Dortmunder-innen -- also fast die Hälfte der Bevölkerung -- Anspruch auf einen
„Wohnberechtigungsschein“ für eine Sozialwohnung hätten.
Jedoch ein solcher Schein hilft den meisten Wohnungsuchenden
überhaupt nicht weiter. Denn das viel größere Problem ist inzwischen, in Dortmund
überhaupt eine Wohnung zu finden, die ein Normalverdiener bezahlen kann.
Dortmund leidet akuten Mangel an Wohnraum im unteren
Preisbereich. Der Mangel hat Ursachen.
1.
Dortmunds Einwohnerzahl wächst wieder. Und zwar
um zuletzt 4.600 Neubürger in einem Jahr. Heute leben hier 25.000 mehr Menschen
als 2009.
Die Stadtregierung bejubelt das als einen Erfolg ihrer
Wirtschaftsförderung. (Dazu unten mehr.) Aber es ziehen nicht nur Leute mit
hoher Mietleistungskraft her, sondern noch mehr „arme Schlucker“, etwa aus dem
Osten und Südosten des Kontinents im Rahmen der EU-Freizügigkeit oder als
schutzsuchende Flüchtlinge aus aller Welt.
2.
Der Wohnungsbau hält mit diesem verstärkten
Andrang besonders im unteren Preissegment nicht Schritt.
Im vorigen Jahr wurden in Dortmund zwar über 1.000 neue
Wohnungen genehmigt, aber darunter nur 274 Sozialwohnungen. Zum Beispiel sind am
Phoenixsee in Hörde von 1.200 neuen Wohneinheiten nur 90 öffentlich gefördert
und damit sozialgebunden.
3.
Der Bestand an vorhandenen Sozialwohnungen geht
seit vielen Jahren kontinuierlich zurück.
Und das nicht etwa durch Abriss oder Nutzungsänderung,
sondern weil nach der Tilgung der öffentlichen Darlehen die Mietpreis- und
Belegungsbindung wegfällt.
In Dortmund gab es Ende 2016 für mehr als 125.000 Haushalte
mit „Wohnberechtigung“ nur noch knapp 20.000 sozialgebundene Mietwohnungen.
Allein in 2016 lief für weitere 2.200 ehemals geförderte Wohnungen die
Sozialbindung aus. Im gleichen Jahr 2016, als 274 neue Sozialwohnungen
genehmigt wurden, gingen also achtmal so viele verloren.
Das führt dazu, dass Jahr für Jahr mehr Wohnungsuchende beim
Dortmunder Wohnungsamt auf der Warteliste stehen. Ende 2016 waren es mehr als
1.600; hinzu kommen 1.500 Asylbewerber und „UmF“ (unbegleitete minderjährige
Flüchtlinge), die noch in Sammelunterkünften leben müssen und ebenfalls auf
eine eigene Wohnung warten; zusammen also 3.100 Bewerber um ganze 274 Wohnungen
= das heißt neun von zehn „Wohnberechtigten“ haben keine für sie bezahlbare
Wohnung gefunden.
Das ist eine völlig verrückte Entwicklung. Aber keine
unglückliche Ausnahmesituation eines ansonsten guten Systems, sondern es ist
von vorn herein im System des Sozialen Wohnungsbaus so verrückt angelegt und
politisch gewollt:
-
Der SWB fördert nämlich nicht bedürftige Mieter,
sondern er fördert die Vermieter, die Kapitalanleger am privaten Wohnungsmarkt.
Indem der Staat einem Investor ein zinsvergünstigtes
Darlehen gibt, verpflichtet sich dieser, die geförderten Wohnungen mit einer
bestimmten Mietobergrenze nur an Haushalte mit WBS zu vermieten – aber nur bis
das öffentliche Darlehen vollständig getilgt ist, also etwa nach 25 Jahren kann
er dann die Wohnungen frei für jeden Preis vermieten, den der Markt hergibt.
Neuerdings bietet der Staat neben den günstigen Darlehen auch noch
Tilgungsnachlässe an, womit die Laufzeit der Sozialbindung sich noch weiter
verkürzt.
-
Gewollt ist aber nicht nur diese systematische
Fehlkonstruktion des öffentlich geförderten Geschäfts mit der Wohnungsnot,
sondern gewollt ist auch eine „marktkonforme“ Politik, die das zunehmende
Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage noch verschärft:
Warum wachsen manche Städte und Regionen, während andere
schrumpfen? Die meisten Stadtsoziologen und –ökonomen sind sich über den
Hauptgrund einig: Die Menschen ziehen den Jobs hinterher. Und Jobs gibt es dort
wo Kapital sich konzentriert. Kapitalistisch verfasste Märkte haben die
Eigenschaft, Investitionen da zu vermehren, wo schon ähnliche Unternehmen und
zugehörige Lieferketten vorhanden sind, die Wissenschaft nennt das
„Clusterbildung“.
Die Dortmunder Wirtschaftsförderung hat das vor 20 Jahren
erkannt und gezielte Hilfen für Hitech- und Logistik-Cluster zu ihrem obersten
Prinzip erhoben. Die Rechnung ist aufgegangen, wie der Zuzug von Unternehmen
und vielen Fachkräften in diese Cluster zeigt.
Was Märkte aber nicht leisten, ist, die Folgen der
Kapitalkonzentration sozial abzufedern. Diese Folgen sind nicht alle positiv,
sondern zum Teil prekär bis katastrophal. In den stagnierenden oder
schrumpfenden Regionen, aus denen Kapital und Arbeitsplätze abwandern, sinkt
die Lebensqualität – aber sie sinkt auch in den wachsenden Städten und
Stadtteilen, die an Verkehrs- und Umweltbelastungen ersticken, Bauland wird
teuer und vernichtet Freiflächen, Wohnungen werden knapp, die Mieten
explodieren, kurz: die Lebensqualität sinkt.
Die genannten Zahlen zeigen uns, wie der Markt versagt. Wohnungen
werden gebaut, aber nur um gut qualifizierte Fachleute anzulocken, für diese
entstehen viele hundert Wohnungen in besten Lagen – unterversorgt hingegen
bleibt die große Masse derer, die in den Kapital-Clustern keine Verwendung finden.
Da müsste dann die Stadt- und Regionalpolitik eingreifen und
gegensteuern.
Jedoch ein Politikverständnis, das die ganze Welt nur noch
als Markt versteht und folglich auch die Städte und Regionen selbst in den
„Standortwettbewerb“ gegeneinander hetzt, eine solche Ideologie ist zu einer
sozialen Wohnungsbaupolitik nicht mehr fähig oder hat sich davon bewußt verabschiedet.
Da kommt dann so ein Phoenixsee in Hörde heraus mit 1.100 frei-finanzierten und
nur 90 Sozialwohnungen.
Was ist dagegen zu tun? Was fordern wir? Welche
Möglichkeiten haben wir, um die Wohnungspolitik in Dortmund sozialer zu machen?
1.
Die 25%-Regelung
1994 beschloss der Stadtrat, dass in Neubaugebieten
Investoren 25% des Baulands an die Stadt abgeben müssen. 2014 wurde diese
Regelung (von der LINKEN im Stadtrat energisch unterstützt) so erweitert, dass
die Bauherren in neuen Baugebieten 25% der Wohneinheiten als Sozialwohnungen
planen sollen. Das ist ein richtiger Schritt, um die Freiheit der
Kapitalverwertung etwas zu begrenzen. Aber in der Praxis wird die Regel allzu
oft umgangen und ausgehebelt, und wie die aktuellen Zahlen beweisen, reicht sie
bei weitem nicht aus, um den Mangel an Sozialwohnungen zu überwinden. Da muss
mehr geschehen.
2.
Die Stadt muss mehr günstige Wohnbauflächen
aktivieren.
Im gesamten Stadtgebiet ist in Bebauungsplänen, Baulücken
oder durch Nachverdichtung noch Bauland für ca. 7.700 Wohneinheiten ausgewiesen,
die binnen zwei Jahren erstellt werden könnten. Aber diese Flächen sind sehr
ungleichmäßig über die Stadt verteilt. Im Stadtbezirk Hörde kommen auf längere
Sicht Grundstücke für ca. 1.900 WE in Frage (1.200 in B-Plänen, 100 in
Baulücken und 600 im F-Plan), allerdings sind nur noch zwei größere Flächen sofort
verfügbar. Unsere Fraktion in der Hörder Bezirksvertretung macht jetzt Druck,
diese Flächen, die seit Jahren vor sich hin schlummern, endlich mit Vorrang zu
entwickeln. Es werden nämlich in den nächsten vier Jahren weitere 200
Sozialwohnungen im Stadtbezirk wegfallen.
Ohne stellenweise Umwidmung bestimmter Freiflächen in
Wohnbauland wird es also nicht mehr lange abgehen. Uns ist sehr wohl bewusst,
dass wir damit ein ökologisches Tabu verletzen, denn natürlich braucht Dortmund
auch dringend seine „grünen Lungen“. – Aber solange wir die markthörige
Wirtschaftsförderung und die dazu passende Wohnungspolitik dulden, gibt es auf
die Schnelle keinen anderen Ausweg.
3.
Die Stadt muss wieder selbst Wohnungen bauen.
Wie wir in der Nachkriegszeit lernten, ist auch
katastrophaler Wohnungsmangel zu überwinden, wenn die öffentliche Hand den
Wohnungsbau nicht nur dem Markt überlässt, sondern selbst als Bauherr auftritt.
Unter den aktuellen Bedingungen, da die Kapitalzinsen so niedrig sind, dass
vergünstigte öffentliche Darlehen für private Investoren nicht mehr lukrativ
genug sind, um dafür Mietobergrenzen in Kauf zu nehmen, wird es wieder
unumgänglich, dass die Stadt selbst baut.
Seit drei, vier Jahren hat das auch die Dortmunder
Stadtspitze erkannt, was wir schon lange fordern, und hat – vorerst für 330 WE
in fünf Baugebieten – einen Weg gefunden, über ein städtisches Sondervermögen
tätig zu werden. Unsere Ratsfraktion erkundet jetzt, wie dies Modell verbessert
und erweitert werden kann.
4.
Wir müssen die Landes- und Bundespolitik in die
Pflicht nehmen.
Die vor-vorige Landesregierung NRW (CDU/FDP) hat die
Gemeindeordnung so verändert, dass den Kommunen fast jede wirtschaftliche
Betätigung untersagt werden kann. Die Städte und Gemeinden müssen darauf
dringen, dass die jetzige CDU-FDP-Regierung das nicht benutzt, um den
kommunalen Wohnungsbau noch weiter einzuschränken.
Gemeinsam mit unserer Bundestagsfraktion fordern wir
außerdem,
- - die sogen. „Mietpreisbremse“, die sich als pure
Augenwischerei blamiert hat, so umzubauen und zu verallgemeinern, dass sie
wirklich funktioniert.
- - Wohnungsbaugenossenschaften müssen gegenüber
privaten Kapitalunternehmen rechtlich gestärkt und bevorzugt werden. Auch dazu hat
unsere Bundestagsfraktion konkrete Vorschläge gemacht.
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Donnerstag, 19. Oktober 2017
Offener Brief an meine Parteivorsitzenden: Die falschen Freunde der Weltoffenheit
Liebe Katja Kipping, lieber Bernd Riexinger,
eure Sehnsucht nach einer neuen Linken verstehe ich gut,
ohne sie zu teilen. Was jede-r sechste Ostdeutsche immer noch als vertraute
politische Heimatluft schnuppert, steigt den meisten von uns "Wessis"
wie abgestandener Mief der Party von gestern in die Nase. Der sozialistische Einheitsmief
der Plattenbausiedlungen - Klassenkampf - "die Internationale erkämpft das
Menschenrecht" - puh! Da wünscht sich mancheine-r eine Linkspartei, die
mit der Zeit geht, modern, weltoffen, wie ihr sagt.
Die Moderne - wer den Begriff zurückverfolgt, stößt auf
Erstaunliches: Die "Moderne" war ein Kampfbegriff in den Wendejahren
der DDR, als die SED nicht nur ein neues Image, sondern ein neues soziales
Bezugssystem suchte und sich zur gesamtdeutschen PDS umgründete. Blöd nur, dass
Modernisierung - im größeren Deutschland noch brutaler als vorher - zum Synonym
für die Unterwerfung alles Lebenden unter die Marktkonkurrenz wurde, für die Auflösung
aller sozialen Bindungen und Sicherheiten, für die totale Zurichtung des
Menschen auf die Logik der Kapitalverwertung. Das ist die Moderne, für die die
SED-PDS den miefigen Realsozialismus eintauschte.
Weltoffenheit - nun ja, wahrhaft weltoffen sind die
tausendstel-Sekunden-schnellen Finanzströme rund um den Globus, das
Landgrabbing der Superreichen auf allen Kontinenten, die weltumspannenden
Datennetze riesiger Kommunikationsindustrien. - Aber das meint ihr sicher
nicht. Sondern Weltoffenheit als ideologische Haltung. Früher nannte man es Konsmopolitismus.
Diese Ideologie war dem sozialistischen Internationalismus direkt
entgegengesetzt und wurde von östlichen Ideologen wütend bekämpft. Ihre
Entstehung und Funktion erklären Marxisten so:
Als vor etwa 150 Jahren der Kapitalismus sich zum
Imperialismus auswuchs und eine Handvoll Großmächte den ganzen Globus in ihre
Kolonialreiche, "Hinterhöfe" und Einflußsphären aufgeteilt hatte,
wuchs die Gefahr, dass die bürgerliche Ideologie des Nationalismus bei den
unterworfenen Völkerschaften zur Begründung nationaler Befreiungsbewegungen
umgedreht wurde. Eine neue Ideologie musste her, die die
"Arbeitsteilung" zwischen den reichen weltbeherrschenden Mächten und
den von ihnen abhängigen, ausgeplünderten Weltregionen rechtfertigte. Die ganze
Welt sei doch nur wie "ein Dorf", behaupteten nun die zeitgemäßen
Geister, am besten sei es deshalb, Nationalstaaten und deren Grenzen schnellstens
aufzuheben und das ganze Weltdorf von jeder staatlichen Bevormundung zu
befreien, indem man es sozusagen in globalen "NGO's" organisiert,
Interessengemeinschaften für alle menschlichen Bedürfnisse wie die UNO, die UNESCO,
die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds, Freihandelszonen,
Verteidigungsbündnisse, Vereine für gegenseitige Hilfe, als Vorstufen einer künftigen Weltregierung, und die Wirtschaft
natürlich in weltumspannenden Konzernen, alles ganz frei von staatlichem Zwang.
Soweit die Ideologie des Kosmopolitismus. Wie solche
entgrenzten Dorfgemeinschaften funktionieren, können wir gut an der
Europäischen Union studieren, die ja auch ihr beide und andere LINKE-Wortführer
als scharfe Waffe gegen den Nationalismus verteidigt. Übrigens war die Macht,
die den europäischen Zusammenschluss in den 1950er bis -70er Jahren am energischsten
vorantrieb, nicht wie heute Deutschland, sondern die USA, die Europa als
starken westlichen Eckpfeiler zur Einkreisung des "Reichs des Bösen"
brauchten. Was lag da näher als die Umkehrung des nationalistischen Wahns, mit
dem die Nazis ihren Weltherrschaftsanspruch begründet hatten, ins genaue
Gegenteil, nämlich in das vorgebliche Ziel, alle Nationen schnellstens
abzuschaffen und damit in Europa sofort loszulegen.
Dass diese Fehlspekulation der Westmächte auf eine schnelle
Vereinigung Europas ausgerechnet den Nachfolgestaat des Nazireichs zur
erdrückenden Vormacht Europas beförderte, war bei der Gründung der EWG nicht
vorgesehen - aber doch eigentlich der einzig logische Ausgang dieser
Geschichte. Denn Nationen und ihre Egoismen lassen sich nun mal nicht einfach
per Weisung aus Brüssel, Washington oder Berlin auflösen, das ist ein sehr
langer historischer Prozess (weit über das Ende des Kapitalismus hinaus, siehe dazu
meine letzten Posts in diesem Blog). Im Kapitalismus führt aber die Konkurrenz
der Nationen unvermeidlich zum Sieg der stärksten Macht über die schwächeren.
Statt die Konkurrenz der Nationen aufzuheben, zerfällt nun
Europa insgesamt und jedes europäische Land immer dramatischer in
"Modernisierungsgewinner", die es verstehen, auf der
Globalisierungswelle obenauf mitzuschwimmen - überproportional gehäuft zu
finden in den "jungen urbanen Milieus" - und den Massen der
"Modernisierungsverlierer", die unter dem Druck der ihnen aufgezwungenen
Konkurrenz gegeneinander in dumpfen Nationalismus zurück drängen.
Diesen letzteren muss der ahistorische "Supranationalismus"
der EU mit seinen grenzüberschreitenden "vier Grundfreiheiten"
(grenzenloser Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehr), die
vorherrschende Ideologie der neoliberalen Eliten Europas, als Kampfansage
vorkommen. Und so ist sie auch gemeint. Ihr beide, Katja und Bernd, und alle
anderen linken Anhänger der kosmopolitischen Entgrenzung müsst euch also genau überlegen,
wessen Geschäfte ihr da unterstützt, wenn ihr heute "offene Grenzen für
Alle" fordert. Vielleicht denkt ihr nochmal drüber nach.
Mit solidarischem Gruß
Wolf Stammnitz
Die LINKE Dortmund
Samstag, 14. Oktober 2017
Schluss mit der linken Ignoranz gegenüber der Nation
Seit langem, eigentlich schon vor der Vereinigung von PDS
und WASG schwelt in der (deutschen) Linken ein Streit um ihr Verhältnis zur
Nation. An aktuellen Anlässen wie der Haltung zur EU, der Aufnahme und
Integration von Geflüchteten, der Asylrechtspraxis, dem europäischen
Grenzregime flammt der Streit immer wieder offen auf, eskaliert bis hin zu
Unterstellungen und persönlichen Verdächtigungen, ohne dass eine politisch
tragfähige Lösung in Sicht käme.
Den jüngsten Anlass bot die Analyse unserer Wahlaussagen zur
"Flüchtlingspolitik" vor der Bundestagswahl. Wie mir scheint, verengt
dies Reiz- und Schlagwort den Blick auf einen Teilaspekt des umfassenderen
strategischen Fragenkomplexes, wie die gesellschaftliche Linke sich heute zur
Nation, deren Souveränität, dem Nationalstaat und deren historischem Schicksal
stellen soll. Mit einer halbwegs fundierten Klärung einiger Grundbegriffe hoffe
ich den Streit zu versachlichen.
Die Entwicklung des Kapitalismus ist untrennbar mit der
Entstehung der Nationen und der Nationalstaaten verbunden. Und da die Klasse,
welche den Kapitalismus im Kampf gegen den Feudaladel durchsetzte und noch
heute vorantreibt, die Bourgeoisie ist, wurde sie zur Trägerin und Führerin der
Nation und ist es bis heute geblieben.
Der bürgerliche Nationalstaat macht die materiellen und
geistigen Güter der Nation zu Privilegien der herrschenden Klasse. Daher,
selbst nach fast zweihundert Jahren Parlamentarismus (in Deutschland), auch
heute noch das grundlegende Misstrauen der Arbeiterklasse gegen den
bürgerlichen Nationalstaat. "Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann
ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben," schrieben die Begründer des
wissenschaftlichen Sozialismus, auf die sich die Linkspartei immer noch als
Ahnherren beruft, Karl Marx/Friedrich Engels in ihr "Kommunistisches
Manifest". Und dennoch hielten sie für unabdingbar, dass "das
Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur
nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß"
(ebd).
Keine Rede also davon, die Nation im Zuge der Überwindung
des Kapitalismus - oder sogar noch vor dessen Überwindung?! - auf den Mist zu
werfen. Ganz im Gegenteil waren sämtliche namhaften Führer der Arbeiterbewegung
sich immer einig, der Nation - so spät sie in der Geschichte auch erst auftritt
- noch ein zähes, langes Leben vorauszusagen. Warum? Weil die nationale
Zusammengehörigkeit sich auf viel älteren Grundlagen konstituiert: der
Gemeinschaft der Sprache, des Territoriums, der Kultur, der Moral, Sitten,
Lebensgewohnheiten usw. Sowas lässt sich nicht einfach "abschaffen",
weder durch eine EU-Kommission noch durch einen linken Parteibeschluss.
Die kapitalistische Marktwirtschaft basiert auf der
Konkurrenz privater Warenbesitzer, und zwar sowohl der Kapitalisten als auch
der Arbeiter untereinander. Das schließt von Fall zu Fall Absprachen,
Bündnisse, Verträge und entsprechende Koalitionen nicht aus. Aber bestimmend
bleibt immer das Eigeninteresse jedes Marktteilnehmers, einen möglichst großen
Anteil am Sozialprodukt für sich herauszuschlagen.
In dem Maß, wie das Kapital den Weltmarkt hergestellt hat,
dehnte es die Konkurrenz auch auf die Verhältnisse zwischen den Nationen aus,
und die Nationalstaaten sind es, die die Konkurrenzkämpfe gegeneinander
ausfechten. Bis hin zu Treubrüchen, Krieg, Massenmord usw. Und unter diesen
Bedingungen haben sie auch das nationale Territorium und seine Grenzen zu
sichern. Da heute einfach mir-nichts-dir-nichts "offene Grenzen" zu
fordern, geht an den realen Verhältnissen vorbei.
Auch zwischen den Nationen können schiedlich-friedliche
Regelungen, Verträge und organisierte Kooperation sich mehr oder weniger lange
in Kraft halten. Linke Politik muss selbstverständlich darauf zielen, solche
internationalen Verständigungen möglichst umfassend und dauerhaft zu
installieren. Aber es wäre weltfremde Träumerei, sich einen Kapitalismus (!)
vorzustellen, bei dem der nationale Egoismus auf Dauer aufgehoben ist.
Um am Weltmarkt möglichst reiche Beute zu machen, ist das
Bürgertum bestrebt, die ganze Nation hinter sich zu scharen. Dazu bedient es
sich der Ideologie des Nationalismus, der die eigene Nation über andere erhebt.
Als hundertprozentig bürgerliche Ideologie ist Nationalismus den Anschauungen
und Zielen der Arbeiterklasse - und somit der LINKEN - diametral
entgegengesetzt. Damit haben wir keinerlei "Schnittmenge". Allerdings
müssen wir hier äußerst genau jeden falschen Anschein vermeiden.
Denn es gilt zu unterscheiden zwischen Ideeologien und den
Tatsachen, auf die sie sich beziehen. "Deutschland zuerst" oder
"Deutschland Deutschland über alles" als politiches Ziel zu
proklamieren, ist nationalistische Ideologie und inhuman - aber die Konkurrenz
in der Bevölkerung des kapitalistischen Deutschland um Arbeit, Wohnungen,
Kitaplätze usw. ist eine unübersehbare Tatsache, welche die LINKE immer und
immer wieder anprangern muss.
Linke Politik hat tragfähige und überzeugende Lösungen für
solche Konflikte zu finden. Dazu gehört, die Dinge illusionslos bei ihren Namen
zu nennen. Also auch auszusprechen, dass Menschen verschiedener Nationalität
vom Kapital in Konkurrenz gegeneinander gezwungen werden, und zu verstehen,
dass ihnen dann die eigene Haut näher ist als das internationalistische Ideal
(das erst nach dem Ende des Kapitalismus zur Realität werden kann).
Ich denke, da muss die LINKE selbstkritisch feststellen,
dass wir in der "Flüchtlingskrise" bis jetzt nur ein klitzekleines
bisschen klüger sind als die Kanzlerin. Deren Ratlosigkeit war aber eine
wesentliche Ursache für das Erstarken der AfD. Deswegen ist es durchaus
angebracht, ja notwendig, unsere Lösungsvorschläge auf ihre Stichhaltigkeit ubd
Plausibilität zu überprüfen. Einfach nur "offene Grenzen" zu fordern,
ist unter kapitalistischen Verhältnissen sicher ein Kurzschluss.
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Freitag, 6. Oktober 2017
LINKE:Die deutsche Politik hat sich "Europa“ unterworfen.Wer sich eine“sozialere EU“ wünscht muss den deutschen (National-) Staat umkrempeln
Nach der Bundestagswahl haben die maßgeblichen Pro-EURO-Romantiker in der LINKEN Oskar Lafontaine mehr oder weniger offen einer nationalistischen Haltung bezichtigt. So absurd der Vorwurf ist, markiert er doch ein zentrales Defizit vieler Linker in Bezug auf die Nation. In diesem Streit positioniere ich mich mit dem zustimmenden Abdruck eines Aufsatzes von Albert F. Reiterer:
INTERNATIONALISMUS
UND RENATIONALISIERUNG
Eine linke Strategie
Renationalisierung ist ein Reizwort. Für wen? Nicht nur im deutschen
Sprachraum, vor allem aber dort, ist heute für Intellektuelle der Marker ihrer
sozialen Existenz schlechthin ein spezifischer Universalismus. Für sie wirkt
also der Begriff wie ein Fausthieb. Der Großteil der Bevölkerung hingegen ist
an diesen Auseinandersetzungen, wie am gewöhnlichen politischen Diskurs
insgesamt, wenig interessiert. Für die bedeutet somit auch dieser Slogan nicht
allzu viel. Er ist zu abstrakt.
Wozu also mit diesem Ausdruck provozieren, wenn er das
potenzielle Ziel-Publikum ohnehin kalt lässt?
Die Frage habe ich mir tatsächlich mehr als einmal
gestellt. Ich war drauf und dran, ihn aus taktischen Erwägungen aufzugeben.
Schließlich entschied ich mich doch, ihn weiter zu benutzen – wie ich glaube,
aus einer Reihe guter Gründe.
Die Linke ist in unseren Breiten auf marginale
Intellektuellen-Gruppen geschrumpft. Es wäre eine Verleugnung der Realität,
dies nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wir sind also Teil einer mehr
intellektuellen als politischen Debatte und haben den Schritt in den politischen
Diskurs noch nicht wirklich geschafft. In diesem intellektuellen Kontext aber
macht das Konzept Sinn, gerade auch wegen seiner provokatorischen Wirkung. Es
stellt sich nämlich quer zu jenem Universalismus der Eliten, welcher das gerade
Gegenteil von Internationalismus ist, aber von vielen Linken grotesker Weise
damit verwechselt wird.
Zusätzlich bedeutet es auch einen gewissen Bruch mit
einer sozialistischen Tradition, welche in blauäugiger Weise noch immer die
Dominanz intellektueller Philosophen-Könige in der Arbeiter-Bewegung übersehen
möchte – und das nach dem Ende des 20. Jahrhunderts und seinen Katastrophen.
Denn der herrschaftliche Charakter dieser Intellektuellen-Truppe stand jenem
der globalen Elite in nichts nach. Es geht also, erstens, darum, die ständige
Tendenz zur neuen Herrschaft einer kleinen Gruppe in Frage zu stellen, indem
man auf die Gefahren verweist, welche das prinzipielle Überschreiten der
Alltags-Lebenswelt der großen Masse mit sich bringt und mit sich bringen muss.
Es geht, zweitens, auch darum, die eigene Stellung etwas zu relativieren.
Praktisch-politisch kommt dazu: Die radikale Linke des
europäischen Südens ist inzwischen weitgehend souveränistisch orientiert.
Da Souveränität ein Fetisch-Begriff der Staats-Theoretiker ist, birgt dies
durchaus auch Gefahren. Aber gleichzeitig ist es eine Orientierung auf ein
sinnvolles politisches Aktions-Feld. Eine neue politische Aktivität muss also
erst im Alltag des Kommunikationsverbunds einsetzen, den wir Nation nennen.
Die angeblich so universalistischen europäischen
Eliten sind ihrerseits ja durchaus national verankert. Sie beziehen ihre Macht
aus der herrschenden Nation und ihrer Politik. Wer sind die führenden
Bürokraten in Brüssel, und welche Interessen vertreten sie? Wenn uns Varoufakisirgend
etwas mitgeteilt hat, so ist es die gerade ängstliche Abhängigkeit der
EU-Finanzminister von jedem Mienenspiel Schäubles. Alle bemühen sich, ihm nach
dem Mund zu reden. Da kann er sich schon den Luxus leisten, das Wort zeitweise
Dijsselbloem zu überlassen. Die deutschen Eliten und Politiker haben sich also
„europäisiert“, indem sie die deutsche Ideologie und Politik auf Europa
ausgedehnt haben. In dieser Struktur eine Machtprobe gewinnen zu wollen, heißt
doch wohl, vor sich hin zu träumen. Allein aus diesen Gründen muss man diese
Struktur verlassen, um nur die geringste Chance zu haben. Griechen,
Portugiesen, Spanier und Italiener können gegen die Deutschen und ihre
Hilfstruppen schlichtweg in diesem Rahmen nicht gewinnen, selbst wenn ihre
Regierungen es wollten.
Die intellektuelle These Renationalisierung wird
auf diesem sehr kurzen Weg zur politischen These des national
organisierten sozialen Staats, des „Sozialstaats“. Den möchten die
übernationalen Eliten nämlich so schnell wie möglich auf den Misthaufen der
Geschichte verfrachten, und sie sind damit schon sehr weit gekommen. An die
Stelle einer sinnvollen Politik mit Ansätzen eines kollektiven Vorsorgestaats
im Rahmen einer Steuerung der ökonomischen Entwicklung, des Produktions- und
Verteilungs-Apparats, trat Armuts-Politik: „Politik gegen Armut und
Ausgrenzung“, wie es im EU-Programm so zynisch heißt.
Für diese Kräfte ist Renationalisierung eine
Provokation. Ihre Stärke besteht u. a. darin, dass sie auf die teils naive, zum
großen Teil aber durchaus bewusste Unterstützung von „Gutwilligen“ zählen
können. Umso dringlicher ist es, dass Tabu zu brechen. Der Paukenschlag des
Begriffs mag viele abschrecken. Aber er ist einmal notwendig, um manche
aufzuwecken. So wie es heute bereits zum politischen Akt wurde, zustimmend Marx
zu zitieren, so ist es die Berufung auf die nationale Lebenswelt der
Bevölkerung erst recht. In Wirklichkeit führen wir damit einen Kulturkampf
gegen die unerträgliche Arroganz der hegemonialen Öffentlichkeit: Wir stellen
uns damit auf die Seite der Unterschichten. Im Gegensatz zur Rechten wissen wir
aber, dass dies nur ein Schritt sein kann; dass wir an einer intellektuellen Debatte
weder vorbei kommen, noch vorbei wollen; dass wir keine Bewunderer von
primitiven Emotionen sind; dass wir einen rationalen Diskurs anstreben.
Albert F. Reiterer, 16.
Dezember 2015
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